21.07.2017

Immer noch nicht unterwegs …

Eigentlich sollte ich böse mit mir sein oder mit der Welt oder wenigstens mit dem Universum. Wir haben schon seit drei Wochen Sommerferien und ich bin immer noch nicht unterwegs. Ich werde mich auch nicht mehr auf den Weg machen. Nicht in diesem Jahr. 

Es liegt nicht am Wetter, obwohl unsere Buben schlau genug sind, um bei dieser Hitze keinen überflüssigen Schritt zu machen. Die einzigen Schritte, die bei den aktuellen Temperaturen übrigens nicht unter die Rubrik „überflüssig“ fallen, sind die dreihundertfünfzig Schritte vom Stall zur Weide, Über die dreihundertfünfzig Schritte von der Weide zum Stall würden sie vielleicht diskutieren, wenn im Stall nicht jeden Abend eine Portion Lieblingsfutter warten würde. Wenn ich der Sommerhitze zum Trotz wandern wollte, würde ich halt im ersten Licht des frühen Morgens losgehen, eine Pause einlegen, sobald es warm wird, die zweite Tagesetappe bei Sonnenuntergang beginnen und erst bei Einbruch der Dunkelheit beenden.

Dass ich nicht wegkomme liegt daran, dass das neue Schuljahr wesentlich gründlicher vorbereitet werden will als die vergangenen drei oder vier Schuljahre. Ich habe nämlich in meiner alten Schule einen ganz neuen Job. Wenn die Sommerferien vorbei sind, werde ich nicht mehr als Klassen- oder Förderlehrerin sondern als Musiklehrerin arbeiten und als Anleiterin für diverse Alpaka-Projekte.

Bevor ich in das neue Schuljahr mit neuen Räumen, neuen Schülern und vielen neuen Aufgaben starte, wollen meine alten Räume ausgemistet, meine Unterlagen neu sortiert, die Musik-Rahmenpläne und die Fortbildungskataloge studiert, Ideen gesammelt und Projekte vorbereitet werden. Außerdem habe ich wieder eine Gitarre, die mir täglich sagt, dass ich noch viel mehr Übung und ein bisschen mehr Hornhaut brauche …

Und weil das alles meinem Traumjob so verflixt ähnlich sieht, dass ich mich immer wieder kneife, um sicher zu stellen, dass ich nicht träume, nehme ich den verpatzten Start nach Santiago de Compostela weder mir noch dem Universum übel.